Diese Geschichte verfolgt den Pfad dreier Helden wider Willen, die nichts voneinander wissen und deren Schicksal doch auf mysteriöse Art miteinander verbunden zu sein scheint. Da ist zunächst Paul, ein Durchschnittstyp und Doktorand an der Berliner Uni, der die recht unspektakulären Auswirkungen von Computerspielen auf das menschliche Gehirn erforscht. Doch seine Untersuchung des neuen Onlinespieles „TaF“ liefert besorgniserregende Ergebnisse. Dann ist da Nevamo, eine zähe Überlebenskünstlerin, die in einer postapokalyptischen Welt dem Pfad der Rache folgt. Und schließlich gibt es Vestar, den ausgestoßenen Krieger eines sterbenden Barbarenvolkes, der einen Weg sucht seinen Stamm zu retten. Jeder von Ihnen wird mit Entscheidungen konfrontiert, die sie unweigerlich näher an eine gefährliche Wahrheit heranbringen. Nach und nach decken sie Teile eines Planes auf, der ihre ureigene Existenz bedroht. Seine Ausmaße sind so ungeheuerlich, wie die verborgene Macht dahinter grenzenlos erscheint. Werden sie sich diesem gnadenlosen Feind stellen und einen Weg finden ihre Welt zu retten?
Verschwommene Gesichter bewegten sich über ihr, und da waren Stimmen die beruhigend auf sie einredeten. Wie durch Drogen gedämpft spürte sie Schmerzen an ihrem rechten Arm. Sie versuchte, ihn zu bewegen, und konnte es nicht. Kein einziges Körperteil konnte sie bewegen. Entweder hatte man sie festgeschnallt oder ihre Glieder waren durch die Drogen gelähmt. Sie blickte nach rechts und konnte unscharf eine rote Gestalt neben sich sitzen sehen, die sich an ihrem Arm zu schaffen machte. Ein sirrendes, durchdringendes Geräusch war zu hören, dessen Rhythmus im Einklang mit dem Auf und Ab der Schmerzen stand. Dann blickte sie nach links und sah, das dort ebenfalls jemand lag. Durch den Schleier vor ihren Augen konnte sie nur erkennen, dass er größer war als sie und massiger. Zwei weitere rote Gestalten machten sich an ihm zu schaffen, und hin und wieder trug eine von Ihnen etwas zu ihr herüber. Sie spürte Hände die ihren Kopf sanft umfassten und sah, wie sich ein seltsam vertrautes Gesicht über sie beugte. Unverständliche aber dennoch beruhigende Worte drangen an ihr Ohr. Sie waren voller Trost und doch gleichzeitig von tiefer Trauer erfüllt. Tropfen fielen auf ihr Gesicht, und auf ihren Lippen konnte sie das Salz von Tränen schmecken.
»Mam?« Nevamos Stimme war nur ein schwaches Flüstern, und sie kam ihr seltsam hoch vor.
Das Gesicht beugte sich zu ihr hinab und sie spürte einen Kuss auf der Stirn. Die Worte wurden etwas deutlicher. »Verzeih mir.«
Eine warme Stirn legte sich auf ihre, und zwischen unverständlichem Gemurmel drangen weitere klare Worte zu ihr durch. »Wenn es doch nur einen anderen Weg gegeben hätte …«
Der Griff der Hände um ihren Kopf wurde fester, und die Stimme sank zu einem Flüstern herab. »… Niemand sollte eine solche Wahl treffen müssen.«
Dann spürte sie plötzlich, wie jemand ihre linke Hand ergriff. Die Hand des anderen war groß, aber der Griff war schwach. Eine raue Stimme sagte matt:
»Es liegt jetzt an Dir.«
Die Finger des anderen umschlossen ihre Hand fester. »Du musst den Lichtboten finden, verstehst Du?«
Nevamo spürte wie eine innere Kraft sie erfüllte. »Mein Mädchen …«
Der Griff der Hand wurde schlaff und sie löste sich von ihr. »Nein!« Hauchte die Stimme über ihr. Obwohl dieses Wort kaum zu hören war, lag so viel Schmerz darin, dass Nevamo unwillkürlich Tränen
in die Augen stiegen. Sie blinzelte und schluckte, versuchte, etwas Tröstliches zu sagen, doch ihre Kehle war wie zugeschnürt. Und dann bohrte sich plötzlich ein stechender Schmerz in ihren Arm,
der sich wie flüssiges Feuer in ihr ausbreitete. Das Brennen raste durch ihre Gliedmaßen und kulminierte mit einem gleißenden Lichtblitz in ihrem Kopf, bevor es sie in einen dunklen, bodenlosen
Abgrund stieß.
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